Gefängnis Glasmoor

Als das nördlich von Hamburg-Langenhorn auf preußischem Gebiet liegende Glasmoor 1922 von der Gefängnisverwaltung übernommen wurde, diente es einem doppelten Zweck. Einerseits wollte man bei der damals herrschenden Brennstoffknappheit der Hamburger Bevölkerung in rationellem Betrieb brauchbaren Brenntorf zuführen, andererseits wollte man die überfüllten alten Gefängnisbauten entlasten. Noch nicht vorbestrafte, zu leichten Strafen verurteilte Gefangene kamen dafür in Betracht, deren praktische Beschäftigung eines der wesentlichen Ziele neuzeitlicher Gefangenenbehandlung bildet.

Da die Einrichtung sich sehr schnell bewährte, mußten 1926 die primitiven ursprünglichen Baracken durch einen festen Bau ersetzt werden. Der Bau wurde für 250 Mann eingerichtet, die zu je 8 oder 10 in einem gemeinsamen Raume hausen. Jeder Raum hat eigene, durch einen kleinen Vorraum isolierte Klosettanlage. Vier Arrestzellen und zwei Krankenzellen nebst Arztzimmer ergänzen diese Wohnräume. Sie umfassen an einem langen, im Knickpunkt durch ein Aufsehemmmer kontrollierbaren Gang auf zwei Seiten als eingeschossige Bautrakte einen großen, rings umschlossenen Mittelhof, der 73 m zu 6o m mißt. Die beiden anderen Seiten werden beherrscht von den Betriebs- und Aufenthaltsräumen, die an der Eingangsfront liegen, und den Arbeitsräumen. In der Mitte der ersten Gruppe liegt ein großer Vortragssaal mit Bühne, daneben auf der einen Seite der Küchenbetrieb, auf der anderen der Bürobetrieb. In dem Arbeitsflügel liegen die Räume der Torfverwertung, daneben die Warmwasserheizung, umfangreiche Wasch- und Flickstuben sowie eine Revierabteilung. Der Wasserturm dient zugleich als Beobachtungsturm und trägt Uhr und Glocke der Anstalt.

Die ganze Anlage ist in Klinkern ausgeführt. Für den Bau wurden RM. 558 300 bewilligt. Er wurde Weihnachten 1928 bezogen. Die Ausführung leitete Oberbaurat Göbel nach den Plänen des Oberbaudirektors Fritz Schumacher. – Wasmuths Monatshefte für Baukunst, März 1929 S.105ff

Die letzten vier Photos zeigen das Modell eines unbekannten Projekts. Da das Quarree eine große Ähnlichkeit zum Gefängnis Glasmoor aufweist, ist es hier zum Vergleich mit aufgenommen. Es könnte sich um eine größere Version des Gefängnis Glasmoor handeln, für das dann sogar weitere kasernen- oder krankenhausartige Gebäude konzipiert wurden. Ist das das nicht-realisierte Projekt FSWK346 - Beamtenwohnhäuser Glasmoor?

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